Wien * KÖR-Kunst im Öffentlichen Raum Wien; Stadt Wien * 2025 * 11 Wochen
Drei Wochen vor den Landtagswahlen in Wien wollte die WochenKlausur eine grundlegende Diskussion über Wahlsysteme anstoßen. Mit einem performativen Projekt wurden fiktive Wahlen durchgeführt, um zu zeigen, wie sich das Ergebnis einer Wahl mit dem Modus ändert, nach dem gewählt werden kann.
Wahlen sind ein Fundament der Demokratie. Die Vertrautheit mit dem gängigen System lässt allerdings übersehen, dass eine politische Landschaft nicht nur von der Entscheidung der Wählenden abhängt, sondern auch von den Regeln, nach denen gewählt wird. Immerhin gibt es weltweit etwa 250 verschiedene Methoden, die alle einen „Wählerwillen“ abbilden. Wenn sie alle das Gleiche erkunden, dann müssten sie zu ähnlichen Ergebnissen kommen.
Das Experiment
Was passiert, wenn dieselben Personen nicht nur für, sondern auch gegen eine Partei stimmen? Oder wenn sie wahlweise entweder für oder gegen eine Partei votieren können?
Das übliche Prinzip, mit dem eine Partei gewählt werden kann, zeigt zwar, was gewünscht, nicht aber, was abgelehnt wird. Wäre es nicht ebenso demokratisch, mit einer zweiten Stimme gegen eine Partei zu votieren? Schließlich wissen Menschen oft schon, was sie nicht wollen, bevor sie wissen, was sie wollen. Warum wird ihnen nicht ermöglicht, eine Ablehnung zu artikulieren?
Vom 07. - 12. April war es möglich, an mehreren öffentlichen Standorten an einem Experiment teilzunehmen. In mobilen Wahlkabinen konnten Stimmen sowohl nach dem üblichen als auch nach dem beschriebenen, geänderten Verfahren abgegeben werden.
Über 2000 Interessierte haben an diese Experiment teilgenommen, wovon mehr als 1000 in Wien wahlberechtigt waren.
Das Ergebnis zeigt sehr deutlich, dass jeder Modus andere Reihungen nach sich zieht.
Der WochenKlausur ging es keineswegs darum, einen bestimmten Wahlmodus zu empfehlen. Aber wenn sich die Ergebnisse unterscheiden, wäre es sinnvoll, darüber nachzudenken, was, mit welchem Modus tatsächlich abgefragt wird. Jedenfalls soll ein Bewusstsein zu den Auswirkungen der Wahlregeln auf die politische Landschaft geschaffen werden. Mit den Schweizer Regeln hätten die USA zum Beispiel genauso andere Machtverhältnisse wie die Niederlande mit dem indischen Wahlrecht.
Christoph Kanter, Martina Reuter, Karl Seiringer, Wolfgang Zinggl
Team Wahlkabinen: Rike Albers, Kai Bürkle, Hannah Dankl, Lotte Eppert, Kolja Hanoldt, Valerie Höchtel, Lina Kops, Anna Metz, Stefan Meyer, Mirjana Mihajilovic, Miriam Pilsel, Marcel Schünemann, Plamen Sirakov, Zhivko Syarov, Leonie Wimmer, Lina Wimmer, Stefan Zehirev



